Wichmann: „Kraftvoll und mutig Kirche sein“

erschienen am 10 Oktober, 2011 um 11:30 am erstellt von in Aktuell, Philipp-Neri-Zentrum

Großer Zuspruch bei der Einführung des neuen Rektors

Mit der Einladung „kraftvoll und mutig Kirche zu sein“ wendete sich Christoph Wichmann in seiner Predigt an die zahlreichen Gäste, die zum Einführungsgottesdienst in die Liebfrauenkirche gekommen waren.

Ich lade Euch und Sie ein hier an diesem Ort etwas zu riskieren, kraftvoll die Wege der Zukunft zu gestalten, ansonsten übernehmen nämlich andere für uns diese Aufgabe. Und daher dürfen wir vor allem nie aufhören anzufangen!

Über 250 Menschen begrüßten den neuen Leiter des Philipp-Neri-Zentrums und Rektor der Kirche. Zu der Feier kamen Verantwortungs- und Würdenträger aus Kirche, Politik und gesellschaftlichem Leben sowie natürlich viele Jugendliche aus Gelsenkirchen und bisherige Wegbegleiter Wichmanns aus der Pfarrei St. Nikolaus in Essen. Die Hl. Messe stand unter dem Leitgedanken des Philosophen Cicero „Hör nie auf anzufangen“ und wurde neben Rektor Wichmann von Propst Manfred Paas sowie Diözesanjugendseelsorger Stefan Ottersbach gestaltet. Domvikar Ottersbach würdigte Wichmann als Menschen der „lebendig für den Glauben eintritt und kein Blatt vor den Mund nimmt“. Er unterstrich die Bedeutung des Philipp-Neri-Zentrums als „bedeutsamen Ort für Jugendpastoral“.

Das Zentrum soll mit Wichmann künftig eine regionale Ausstrahlung über die Stadtgrenzen hinaus entwickeln. Dabei wird sicherlich auch die zweite Aufgabe Wichmanns als Seelsorger des Bischöflichen Schulzentrums Am Stoppenberg helfen, die er ebenfalls am 1. September angetreten hatte.

Der 33-jährige Wichmann studierte Theologie in Bochum, Innsbruck und Wien. Am 25. Mai 2007 wurde er zum Priester geweiht. Seither war der Geistliche als Kaplan im Essener Norden tätig.

 

Impressionen

von der Begegnung nach der Hl. Messe im Philipp-Neri-Zentrum

 

Videobotschaft

Mit einer Videobotschaft hatte sich Wichmann am Vortag an die Gäste sowie alle Freunde des Philipp-Neri-Zentrums gewandt:

 

Predigt

Wir dokumentieren die Predigt von Christoph Wichmann im Wortlaut:

„Wo Gott ist, da ist Zukunft!“

Mit diesen Worten war der Papstbesuch in Deutschland vor 2 Wochen überschrieben. „Wo Gott ist, da ist Zukunft!“ – ZUKUNFT?

Wer denkt bei einem Papstbesuch denn in erster Linie an Zukunft? Gehen unsere Assoziationen nicht eher automatisch in eine andere Richtung, wenn der Heilige Vater in seine Heimat kommt?

Schauen wir nicht eher zurück als nach vorne und wird diese subjektive Wahrnehmung nicht objektiv in der medialen Wirklichkeit unterstrichen?!

Wer verbindet mit einem Papstbesuch ernsthaft noch Zukunft? Erleben wir den Papst und die Kirche nicht eher Rückwerts gewand, an der Gegenwart und Zukunft vorbei lebend?

Hätten die Werbetexter den Besuch Benedikts nicht ehrlicher mit den Worten Hans Küngs überschreiben müssen? Küng resümiert:

„Wo der Papst ist, da ist Vergangenheit.“

Vergangenheit, das verbinden doch die meisten Menschen in Deutschland mit dem Papst und unserer Kirche, aber Zukunft?!

Liebe Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Gäste,

die Initiatoren des Papstbesuches setzen hinter ihre Mottowahl ein großes und bewusstes TROTZDEM mit Ausrufungszeichen. Das heißt:

  • Obwohl so viele Menschen in Deutschland mit dem Papstbesuch keine Hoffnungen mehr verbinden, TROTZDEM richten wir unseren Blick in die Zukunft.
  • Obwohl so viele Priester und andere in der Kirche Schuld auf sich geladen und Vertrauen verspielt haben, TROTZDEM richten wir unseren Blick in die Zukunft.
  • Obwohl die Kirchen immer leerer werden, TROTZDEM richten wir unseren Blick in die Zukunft.
  • Obwohl in den Familien immer weniger gebetet wird, TROTZDEM richten wir unseren Blick in die Zukunft.
  • Obwohl wir uns von der Lebenswirklichkeit vieler Jungendlicher immer mehr entfernen, TROTZDEM richten wir unseren Blick in die Zukunft.

TROTZDEM

„Wo Gott ist, da ist Zukunft“ – dieses bewusste TROTZDEM möchte uns auch heute Abend, hier in dieser Kirche, Kraft schenken und Mut machen. Ohne die Vergangenheit zu verdrängen oder schön zu reden, trotzdem mutig den Blick in die Zukunft richten.

Dazu sind wir als Getaufte immer wieder neu eingeladen. Und das Schöne ist, da Gott die Zukunft ist, werden wir gemeinsam mit ihm, in seiner Kirche die Herausforderungen der Zukunft auch meistern! Und genau deshalb ist dieses Motto des Papstbesuches nicht nur ein trotziges TROTZDEM, sondern ein richtungweisendes TROTZDEM.

Doch dieses richtungweisende TROTZDEM mit Blick in die Zukunft fällt nicht einfach vom Himmel. Dieses TROTZDEM möchte bewusst und geistvoll gestaltet werden. Und genau dazu braucht es uns, eine kraftvolle und mutige Kirche, die nicht müde wird ZUKUNFT zu denken und vor allem neue Anfänge zu wagen.

 

Liebe Freunde im Glauben, wir können es uns nicht mehr erlauben, Altes einfach bewahren zu wollen, alles nur etwas reduziert weiter am Köcheln zu halten. Wir müssen jetzt gezielt in unsere Zukunft als Kirche investieren!

Vieles Liebgewonnene werden wir schmerzhaft aufgeben, aber gleichzeitig dürfen wir Neues wagen, wenige Orte neu denken. Wir sollten nicht leichtsinnig meinen, nur weil wir Vieles streichen, reduzieren, einsparen und schließen, darf gleichzeitig auf der anderen Seite nichts Neues entstehen. Dieser Denkansatz wäre fatal und destruktiv! Unsere Herausforderung besteht eher darin behutsam loszulassen und gezielt zu investieren. Diese beiden Ebenen dürfen nicht böswillig gegeneinander ausgespielt werden!

Ich lade Euch und Sie ein hier an diesem Ort etwas zu riskieren, kraftvoll die Wege der Zukunft zu gestalten, ansonsten übernehmen nämlich andere für uns diese Aufgabe. Und daher dürfen wir vor allem nie aufhören anzufangen!

 

Das Bild, das ihr beim Betreten der Kirche bekommen habt, möchte uns genau daran erinnern. Viele werden es schon bemerkt haben, wir sehen den Eingangsbereich unserer Liebfrauenkirche. „Hör nie auf anzufangen“ – dieser Satz des Philosophen Cicero steht nicht irgendwo geschrieben, sondern wir haben ihn bewusst auf die Umrandung des Taufbeckens gesetzt. Die Taufe erinnert uns daran, dass wir Kinder Gottes sind und einen Auftrag in dieser Zeit haben. Wir haben den Auftrag, Christus in Kirche und Gesellschaft lebendig zu halten. Im Wasser der Taufe werden wir an unseren Missionierungsanspruch erinnert, für Christus einzustehen und andere einzuladen Christus und seine Kirche, sprich uns kennenzulernen – das Taufbecken als Motivation!

Unser Blick bleibt daher nicht am Taufbecken stehen, er führt uns zur offenen Tür des Hauptportals unserer Kirche. Wir dürfen uns nicht hinter geschlossenen Türen verstecken, wir müssen unsere Türen aufreißen, um zu wissen was draußen läuft, was die Menschen, besonders die Jugendlichen, draußen brauchen, was sie bewegt, um auch so unseren Sendungsauftrag immer wieder neu zu bedenken und zu korrigieren.  Die offene Tür steht für eine gelebte Gastfreundschaft und unterstreicht das Wort aus dem heutigen Evangelium, wo es in Vers 9 heißt: „Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!“

Liebe Gottesdienstgemeinde, jeder Neuanfang ist ein Wagnis. Doch bin ich zuversichtlich, dass sich unser gemeinsames Wagnis lohnt. Uns ist in der Taufe alles geschenkt worden, wir haben gemeinsam die Kraft und die Fähigkeiten Kirche zukunftsfähig zu machen, denn wo Gott ist, da ist die Zukunft. Freuen wir uns Kirche zu sein! Halten wir unseren Gott lebendig, hören wir auf ihn und hören wir nie auf anzufangen – hier und heute mit einem bewussten und geistvollen TROTZDEM. Amen.

 

(Es gilt das gesprochene Wort.)

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